Warum der Körper so wichtig ist – Körperorientierte Begleitung in München

I · woher wir kommen

Er trägt Erfahrungen, Gefühle und Muster in sich, die uns geprägt haben —

auch aus einer Zeit, an die wir uns nicht erinnern können.

Unser Körper reagiert oft, lange bevor wir verstehen, warum.

II · dein Leben beginnt früh

Dein Leben beginnt lange bevor du es erzählen kannst.

Ein Baby kann noch nicht verstehen, warum seine Mutter gerade nicht kommt, wenn es schreit. Es erlebt nur Berührung und Distanz, Geborgenheit und Unruhe.

Aus vielen solcher Erfahrungen beginnt etwas in uns zu lernen, lange bevor wir Worte dafür haben.

Ein Kind passt sich an, um Liebe und Sicherheit zu bekommen. Es wird stiller, um nicht anzuecken. Es hält Gefühle zurück oder wird sehr wachsam.

„Wenn ich so bin, wie ich wirklich bin, könnte ich Liebe verlieren."

Nicht ein einzelner Satz entscheidet über unser Leben. Aber aus vielen Erfahrungen entsteht Lernen, und manches nehmen wir mit ins Erwachsenenleben.

III · der Körper reagiert zuerst

Erwachsen, und trotzdem reagiert der Körper schneller als der Kopf.

Eine Nachricht bleibt unbeantwortet, ein Mensch zieht sich zurück, jemand spricht in einem bestimmten Ton mit dir. Und plötzlich zieht sich dein Bauch zusammen, dein Herz schlägt schneller, oder du wirst wütend, traurig, ängstlich.

Der Kopf sagt vielleicht: „Es ist doch gar nichts passiert."

Und trotzdem ist in deinem Körper längst etwas passiert.

Unser Körper ist kein Archiv Berührung am Nacken. Aber unser Gehirn und unser Nervensystem lernen aus Erfahrungen: Wahrnehmung, Gefühle und körperliche Reaktionen sind miteinander verbunden.

Darum kann dein Körper auf Distanz, Ablehnung oder Unsicherheit reagieren, selbst wenn dein Verstand längst weiß, dass du heute erwachsen bist und selbst entscheiden kannst.

IV · was Verstehen bewirken kann

Was wir verstehen, ist deshalb nicht weniger wichtig.

Durch systemische Familienaufstellungen können Zusammenhänge sichtbar werden, die vorher kaum zu erkennen waren.

Vielleicht bist du ohne deinen Vater aufgewachsen, oder er war emotional nicht erreichbar. Vielleicht erkennst du in einer Aufstellung, warum du Männern misstrauisch bist, oder warum bestimmte Situationen in Beziehungen etwas sehr Altes in dir berühren.

Eine solche Erkenntnis ist unglaublich wertvoll. Du verstehst, woher deine Reaktionen kommen können, und sie sind nicht mehr einfach „falsch" oder „zu viel".

Aber Verstehen und körperliches Erleben sind nicht dasselbe. Dein Körper kann weiterhin mit Angst oder dem Bedürfnis reagieren, keinen Menschen zu verlieren, obwohl du den Zusammenhang längst verstanden hast.

Deshalb gehören beide Ebenen zusammen: Verstehen, was unsere Geschichte geprägt hat, und wahrnehmen, was diese Geschichte heute noch in unserem Körper auslöst.

V · warum Berührung eine Rolle spielt

Berührung begleitet uns von Beginn unseres Lebens an Hände auf dem Rücken. Nähe, Stimme, Blickkontakt und Berührung können einem kleinen Kind helfen, starke Erregung wieder herunterzufahren.

Auch als Erwachsene bleibt Berührung etwas sehr Unmittelbares.

In meiner Arbeit erlebe ich immer wieder, dass Menschen über Berührung beginnen, ihren Körper anders wahrzunehmen. Die Atmung verändert sich, eine Stelle wird fest oder weich, eine Emotion taucht auf oder eine Erinnerung kommt ins Bewusstsein.

VI · was der Körper zeigt, und was nicht

Der Körper zeigt etwas. Aber er ist kein Lügendetektor.

Ein Bild aus der Kindheit oder eine starke Emotion bedeutet nicht automatisch eine historische Wahrheit. Unser Gedächtnis funktioniert nicht wie eine Videokamera.

Ich nehme ernst, dass dein Körper jetzt reagiert. Dann können wir neugierig werden: Was geschieht gerade in dir, und was löst es heute aus?

Der Verstand ist nicht das Problem. Irgendwann müssen wir verstehen und einordnen, was wir wahrnehmen.

Wenn du erkennst, warum Rückzug dich so tief trifft, entsteht eine Verbindung zwischen dem, was dein Körper erlebt, und dem, was du über deine Geschichte weißt.

Du kannst unterscheiden zwischen dem, was gerade passiert, und dem, was es in dir auslöst. Aus beiden Ebenen zusammen kann die Möglichkeit entstehen, heute bewusster und anders zu handeln.

VII · deshalb nehme ich den Körper mit

Ich bin selbst an einen Punkt gekommen, an dem Verstehen allein mich nicht mehr weitergebracht hat Berührung in der Praxis. Seitdem begleitet mich die Frage:

Was verändert sich, wenn wir nicht mehr nur darüber nachdenken, warum wir so reagieren, sondern beginnen wahrzunehmen, was in diesem Moment in unserem Körper geschieht, und diese Wahrnehmung mit dem verbinden, was wir über unsere Geschichte bereits verstanden haben?

Genau daraus ist ein wesentlicher Teil meiner heutigen Arbeit entstanden.

VIII · Wissenschaft & Quellen

Die Inhalte dieser Seite beruhen sowohl auf meinen persönlichen Erfahrungen als auch auf Erkenntnissen aus der Forschung zu früher Entwicklung, Gedächtnis, Nervensystem, Körperwahrnehmung und Berührung.

  • Harvard Center on the Developing Child (Stress & frühe Entwicklung)
  • Schore, A. (2012). The Science of the Art of Psychotherapy. Norton.
  • van der Kolk, B. (2014). The Body Keeps the Score. Penguin.
  • Porges, S. (2011). The Polyvagal Theory. Norton.
  • Ainsworth, M. (1978). Patterns of Attachment. Psychological Review.
  • Field, T. (2024). Massage & Touch Meta-Analysis. Nature Reviews Psychology.

IX · häufige Fragen

Warum reagiert der Körper, bevor der Verstand etwas merkt?

Weil Erfahrungen aus früher Kindheit im Nervensystem gespeichert werden, lange bevor wir Worte dafür haben. Als Erwachsener reagiert der Körper deshalb oft schneller als der Kopf, etwa mit einem engen Bauch oder schnellerem Herzschlag, während der Verstand noch gar nicht weiß, warum.

Ist das wissenschaftlich belegt?

Ja. Die Inhalte dieser Seite stützen sich auf Forschung zu früher Entwicklung, Gedächtnis und Nervensystem, unter anderem von Bessel van der Kolk, Stephen Porges und Allan Schore sowie dem Harvard Center on the Developing Child. Die vollständige Quellenliste findest du weiter unten auf dieser Seite.

Kann der Körper Erinnerungen speichern, an die ich mich bewusst nicht erinnere?

Ja. Nicht jede Erfahrung wird als Erinnerung im klassischen Sinn abgespeichert. Manches bleibt im Körper als Muster erhalten, etwa als Anspannung, Wachsamkeit oder eine bestimmte Reaktion, auch wenn du dich an das ursprüngliche Erlebnis selbst nicht mehr erinnerst.

Was hat meine Kindheit mit meinem Körper heute zu tun?

Sehr viel. Ein Kind lernt früh, sich anzupassen, um Liebe und Sicherheit zu bekommen, wird zum Beispiel stiller oder besonders wachsam. Diese Muster verschwinden im Erwachsenenleben nicht automatisch, sie zeigen sich oft weiterhin im Körper.

Wo sitzt Trauma im Körper?

Nicht an einem festen Ort, sondern als Muster im ganzen Nervensystem: als Anspannung in bestimmten Muskelgruppen, als flache Atmung, als erhöhte Wachsamkeit oder als eine Körperhaltung, die sich wie von selbst eingestellt hat. Der Körper speichert nicht das Ereignis selbst, sondern wie er darauf reagiert hat.

Wie kann man Trauma aus dem Körper lösen?

Indem der Körper die Erfahrung machen darf, dass die alte Anspannung heute nicht mehr gebraucht wird. Das passiert nicht durch Nachdenken allein, sondern über Berührung, Wahrnehmung und die Zeit, die es braucht, damit sich etwas wirklich verändern kann. Genau darum geht es in der Körperarbeit, die ich anbiete.

und jetzt?

Verstehen ist ein Anfang. Spüren ist der nächste Schritt.

Wenn du magst, schauen wir gemeinsam, was dein Körper dir gerade zeigt.

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